12 Etappen: Unterthörl – Sillian

Anstieg 10.517 hm – Abstieg 10.017 hm – Distanz 167,15 km – Gehzeit 56,5 h

06. Juli – 17. Juli 2019

Der Karnische Höhenweg (KHW 403) verläuft am österreichischen-italienischen Grenzkamm der karnischen Alpen. Das Besondere an diesem Weitwanderweg ist, dass er genau an der Grenze verläuft und im Ersten Weltkrieg standen sich hier tausende österreichisch-ungarische und italienische Soldaten gegenüber. Zahlreiche Schützengräben, Bunker, Soldatengräber und Denkmäler erinnern daran. Heute trägt der Karnische Höhenweg auch den Namen „Friedensweg“.

Ich kann euch nicht sagen, wann genau bei mir der Wunsch entstanden ist diesen Weg zu gehen… Ich weiß es wirklich nicht, aber dieser Weg geisterte mir jahrelang in meinem Kopf herum. Ich weiß auch wirklich nicht wann ich das erste mal davon gehört habe… Bei einer Wanderung 2018 am Nassfeld, sah ich wieder den Wegweiser „KHW 403“. Da wurde der Entschluss gefasst, nächstes Jahren gehen wir den KHW.

Die Meisten gehen nur 8 von den 11 Etappen. Wir haben uns natürlich alle 11 in den Kopf gesetzt. Von Unterthörl (Nähe Arnoldstein) bis nach Sillian (Osttirol). Schnell wurde uns bewusst warum die Meisten erst später einsteigen…

Etappe 1: Unterthörl – Feistritzer Alm

Anstieg 1.741 hm – Abstieg 687 hm – Distanz 21,5 km – Gehzeit 7,5 h

Auch über Umwege und trotz Schmerzen kommen wir ans Ziel.

Was für ein Aufschwung… Gleich am ersten Tag sah es so aus als müssten wir sofort abbrechen. Ich hatte höllische Knieschmerzen und konnte kaum noch gehen. Wir waren mit unserer Kraft am Ende. Das Trinkwasser ging uns aus und wir schafften es nicht einmal zu unserer ersten geplanten Unterkunft. Noch dazu war der Ausblick und der Weg auch nicht gerade berauschend… Und zu Krönung des Tages, war die Heizung defekt und es gab kein Warmwasser auf der Hütte.

Etappe 2: Feistritzer Alm – Egger Alm

Anstieg 640 hm – Abstieg 944 hm – Distanz 16,2 km – Gehzeit 5 h

Wo die Unvernunft siegt und durch Begegnungen Entscheidungen getroffen werden.

Wären wir vernünftig gewesen hätten wir abgebrochen. Aber was soll ich sagen… Ich bin halt ein Sturkopf und mein Ego hat es mir nicht möglich gemacht jetzt schon aufzugeben. Ich weiß nicht wer von uns zwei an diesem Tag ärmer war. Ich mit extremen Schmerzen oder Johannes, der meine Gefühlsausbrüche aushalten musste 😀 In einem Moment total glücklich, weil die Schmerzen gerade erträglich waren, im nächsten Moment, weil sich der Weg geändert hat heulend, fluchend und schreiend vor Schmerzen.

An diesem Tag zeigte sich aber schön langsam die Schönheit der karnischen Alpen. Wir gingen durch Kuh- und Pferdeherden. Über Wald- und Almwege. Begegneten andere Wanderern und machten die erste Bekanntschaften. Zu Mittag zog ein starker Sturm auf und die ersten Gewitterwolken zeigten sich. Wir mussten uns beeilen um heil in die nächste Hütte zu kommen. Adrenalin und die Angst vor dem Gewitter liesen meine Schmerzen fast verschwinden. In der Hütte angekommen machten wir eine besondere Bekanntschaft. Wir lernten einen Weitwanderer aus Frankreich kennen. Dieser startete am Meer in Italien und war bereits drei Wochen unterwegs. Sein Ziel war eine Hütte in den französischen Alpen (leider weiß ich nicht mehr wo genau…). Er hatte aufgeschnittene Schuhe und extrem geschwollene Achillessehnen. Ich weiß nicht was die Begegnung und die Unterhaltung mit ihm in mir ausgelöst hat, aber hier entschied ich mich, nicht aufzugeben und weiterzugehen. Ich wollte den KHW bis zum Ende durchgehen, auch wenn wir statt den geplanten 11 Tagen, zwei oder gar drei Wochen brauchen würden.

So schnell das Gewitter aufzog, so schnell war es auch wieder vorbei und wir konnten unsere Wanderung fortsetzen und erreichten dann auch schon bald darauf unsere Unterkunft auf der Egger Alm. Wir übernachteten in der Käserei im Bettenlager.

Funfact: Auf der Egger Alm kann man nur bis 17:00 Uhr Schnitzel bestellen. Du fragst dich sicher warum, oder? Ganz einfach, denn nach 17:00 Uhr werden die Kühe gemolken und die Melkmaschinen verbrauchen so viel Strom, dass zu wenig Strom für die Küche übrig bleibt 😀

Etappe 3: Egger Alm – Nassfeld

Anstieg 662 hm – Abstieg 472 hm – Distanz 12,5 km – Gehzeit 3,5 h

Aus dem Vertrauten die Kraft schöpfen.

Eins kann man der Käserei auf der Egger Alm lassen. Hier gibt es das beste Joghurt, dass wir jemals gegessen haben. Um die Ernährungsfrage schon einmal vorweg zu nehmen. Vegetarische Verpflegung auf den Hütten überhaupt kein Thema, aber bei vegan wird’s wirklich schwierig. Zurück zur Etappenbeschreibung…

Die dritte Etappe ist eine gemütliche, sehr leichte, aber eine wunderschöne Tour. Und es stieg die Vorfreude auf das bekannte Nassfeld und die bekannte Umgebung. An diesem Tag machten wir eine weitere Bekanntschaft. Eine Bekanntschaft, die uns die restlichen Tage auf unserem Weg noch weiter begleiten wird. <3

Nach gemütlichen 3,5 Stunden Gehzeit erreichten wir unser Ziel, das Bettenlager des Alpenhotels Plattner. Achja, du fragst dich vielleicht was mit meinen Schmerzen passiert ist? Was soll ich sagen… Sie waren fast weg und ich konnte fast ohne Probleme (getaped natürlich) gehen.

Etappe 4: Nassfeld – Straniger Alm

Anstieg 842 hm – Abstieg 945 – Distanz 18,1 km – Gehzeit 5,5 h

Ein Kindheitstraum erfüllt sich.

Frühstück machen können’s im Alpenhotel Plattner! Gut gestärkt ging es über das Schigebiet Nassfeld in Richtung Trogkofel. Im Sommer wird erst richtig deutlich welch ein enormer Eingriff in die Natur und in die Landschaft notwendig ist, um ein Schigebiet zu bauen…

Auf dieser Etappen sieht man das erste Mal Schützengräben und in die Steinwand gemeißelte Bunker aus dem ersten Weltkrieg. Es lässt sich nur erahnen unter welchen Strapazen die Soldaten sich, ihre Waffen und die Baumaterialen auf den Kamm geschleppt haben. Beim Anblick dieser Ruinen macht sich bei mir ein Gefühl der Bedrückung bemerkbar.

Diese Etappe ist eine sehr schöne, recht einfache, mit ein paar knackigen Anstiegen zu Beginn. Kurz bevor man das Schigebiet verlässt wandert man das erste mal an der Grenze zu Italien entlang. Es eröffnet sich ein weiter Blick in Richtung Italien. Ein Blick den ich als Kind im Winter schon immer sehr genossen habe. Ein Kindheitstraum von mir war es, einmal durch dieses Tal zu wandern und die andere Seite zu erkunden. Dieser Kindheitstraum ging an diesem Tag in Erfüllung.

Leider konnten wir diesen Anblick nicht lange genießen, denn die Gewitterwolken hingen uns im Nacken. Als Alternativroute kann man noch den leichten Klettersteig über den Trogkofelgipfel wählen. (Die Besteigung des Trogkofels steht auf unserer Bucketliste)

Weiter ging der Weg entlang der Schützengräben, über Kuhweiden und zum Schluss für ein paar Minuten über einen Forstweg zur Straniger Alm. Wir hatten Glück, denn sobald wir die Hütte erreichten ging das Gewitter nieder.

Etappe 5: Straniger Alm – Findenigkofel – Zollnersee Hütte

Anstieg 618 hm – Abstieg 374 hm – Distanz 7,09 km – Gehzeit 2,5 h

Wenn aus Fremden Freunde werden.

Nach einer angenehmen Nacht in einem Zweibettzimmer (Luxus) startet wir heute gemeinsam mit unseren neuen belgischen Bekanntschaften in den Tag. Diese Etappe ist eine sehr kurze, deshalb beschlossen wir den Gipfel des Findenigkofel mitzumachen. Uns war es am gesamten Weitwanderweg wichtig, die Natur und die Berge zu genießen, weniger wichtig war uns das Tempo. Deswegen beschlossen wir auch diese Tour als Regenerationstag zu nutzen und nicht gleich weiter zur Unteren Valentinalm zu gehen. Etappe 5 und 6 kann man ohne weiteres zusammenfassen, sollte man dann aber jedoch aufgrund der Distanz nicht unterschätzen.

Die Etappe begann mit einem kurzen knackigen Aufstieg. Nimmt man die Variante, so wie wir über den Findenigkofel wandert man auf schmale sanften Gipfel auf ca. 2.000 m entlang. Von weiten ist die Zollnersee Hütte schon zu erkennen. Diese Tour war geprägt von weiter Sicht und Almen. Nach gut 2 Stunden zeigte sich der wunderschöne Zollnersee von seiner schönsten Seite.

Trotz gemütlichen Tempo und Umwege erreichten wir bereits zur Mittagszeit unser Ziel. Die Zollnersee Hütte war eine meiner Lieblingshütten, nicht nur weil diese umringt von Pferden war, sondern auch aufgrund der besonderen Gastfreundschaft des Hüttenwirtes. Auch hier gönnten wir uns eine Nacht im Zweibett-(Stockbett)-Zimmer.

Etappe 6: Zollnersee Hütte – Untere Valentinalm

Anstieg 1.045 hm – Abstieg 1.588 hm – Distanz 19 km – Gehzeit 6,5 h

Schmale, weite, nie enden wollende Wege und ein kurzer Ausflug in die Zivilisation.

Ab diesem Tag gab es uns nur mehr im Quartett mit unseren belgischen Freundinnen. Diese Etappe startete recht gemütlich und ein Stück begleiteten uns auch eine Herde Ziege. Der Weg änderte sich jedoch in schmale Steige in den Berghängen bis hin zu einem anstrengenden Anstieg auf den Köderkopf (2.167m). Danach ging es auf schmalen Wegen in den Hängen weiter, bis hin zum Abstieg über einen Waldweg bis wir zurück in der Zivilisation am Plöckenpass angekommen waren.

Diese Etappe war für uns sehr fordernd und zäh wie ein Kaugummi. Anfangs war der Ausblick traumhaft schön, jedoch schnell eintönig und außerdem unterschätzten wir die Distanz dieser Tour enorm.

Endlich in der Unteren Valentinalm angekommen, stellten wir schnell fest, dass diese keine typische Hütte ist, sondern eher ein Gasthaus. Auch die Atmosphäre und die Gastfreundschaft war nicht mit den Hütten davor zu vergleichen. Fast allein im riesigen Bettenlager gingen wir an diesem Tag früh ins Bett.

Die Hütte noch in weiter Ferne
30 min später die Hütte ganz nah
Ich liebe es, wenn man auf den gegangenen Weg zurückschauen kann

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